Reduktion von Komplexität
August 10, 2006
Versuche, Komplexität zu reduzieren, begegannen wohl schon gleich mit den ersten Menschen. Kain erwies sich gleich am Anfang schon als Mann der Tat: Sehr effizient reduzierte er die Komplexität von Abel. Alexander der Große ging dann später mit seiner raschen und zielführenden Lösung eines komplexen Knotenproblems in die den Menschen kennzeichnende Geschichte ein. Und bis heute finden solche gewalttätigen Vereinfacher immer noch Bewunderer. Nicht selten wird Komplexität nämlich oft garnicht reduziert, sondern nur verlagert, zum Beispiel zu Dir und mir.
Komplexitätsreduzierung begann allerdings schon ein paar Jahre bevor der Mensch auftauchte: Mit der Zellteilung. Die Wachstumsmöglichkeiten eines Organismus sind ganz einfach durch das Verhältnis seiner Oberfläche (Entropieexport-Interface) zur mit dem Wachstum steigenden Entropie des Systems bestimmt. Zellteilung ist eine Form der Oberflächenvergrößerung. In der Wirtschaft wird das immer wieder entdeckt. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, mit denen Systeme ihre Interfaces zum Export ihrer komplexitätsgetriebenen Entropie vergrößern können. Vielen technischen Systemen helfen Kühlrippen, Entropie abzuführen. Und man muss die kleine aber erfolgreiche Schweiz nur kräftig aufbügeln, dann erkennt man ihre riesige Oberfläche. (Na ja. Aber im Ernst: Die wirtschaftliche große Oberfläche der Schweiz ist die Vielzahl ihrer Interfaces für Geld.) Oberflächenvergrößerung schafft Platz für Schnittstellen zum Entropieexport. Das ist eine Alternative zur Zerteilung.
- Reduktion von Komplexität:
Habe mal in die Wikipedia eingetragen: Roland Berger Strategy Consulting setzt auf Wachstum: „Wir glauben, dass Wachstum die stärkste Strategie für jedes Unternehmen ist. Überdurchschnittliches und profitables Wachstum führt zu überragenden Geschäftsergebnissen und verschafft Firmen einen Vorteil gegenüber ihren Mitbewerbern. Es ist unser Glaube an Wachstum, der die Entwicklung und Implementierung von Wachstumsstrategien zu einer unserer Schlüsselkompetenzen macht.“ (August 2006).
Zur Erreichung dieses Ziels setzt das Beratungsunternehmen wiederum auf „Reduktion von Komplexität“, denn Komplexität sei ein entscheidendes Hemmnis für Wachstum. Dazu müsse man die Mitarbeiter auf einen „Doppelkurs“ führen, der aus „Restrukturierung und Vorwärtswachstum“ bestehe und „gleichermaßen aktivieren wie auch motivieren“ könne. Das ermögliche „Wachsen durch Vertrauen“ im „integrativen Konzept“ einer „Vertrauensorganisation“ (März 2005).
Bereits im Jahr 1968 beschrieb Niklas Luhmann Vertrauen als einen „Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität“.
Was RBSC allerdings nicht von Luhmann gelernt hat, ist diese Erkenntnis: „… Die ‘invisible hand’ hatte, schon im 17. Jahrhundert, eine Fortschrittsgarantie symbolisiert. Nachdem sie zunehmend unter Arthrose zu leiden begann, übernahm das Desiderat des wirtschaftlichen Wachstums selbst diese Funktion. Man gab die Annahme einer Mengenkonstanz auf, um durch die Art der Allokation ein Mengenwachstum zu produzieren und zugleich diejenigen, die dabei zu kurz kommen, abfinden zu können. Den Politikern und der öffentlichen Meinung wird folglich suggeriert, Wirtschaftswachstum sei notwendig, sei eine Bedingung gesellschaftlicher Stabilität. – Das ist sicher eine sehr eindrucksvolle und nicht unrealistische Entparadoxierung des Systems, die mit zeitlicher Asymmetrie spekuliert. Dennoch könnte man sich, und sei es nur vorsorglich, um andere Möglichkeiten kümmern für den Fall, dass diese ausfällt wegen ihrer ‘Externen Kosten’ oder ihrer ökologischen Folgen.“ (Die Wirtschaft der Gesellschaft, 1988, ISBN 3518287524, Kapitel 3, IV.) Die „zeitlicher Asymmetrie“ ist übrigens typisch Luhmann für die Beschreibung einer „Nach mir die Sintflut“-Einstellung.
Wie Schlipse funktionieren
Juli 15, 2006
Ich las von einem Unternehmen, in dem viele Millionen Euro für völlig unternehmensfremde Spielereien verpulvert wurden. Hatte der Aufsichtsrat geschlafen? Nach gründlicher Recherche ergab sich jedoch, dass fast alle Aufsichtsratsmitglieder die Angewohnheit hatten, mit Schlipsen zu ihrer Sitzung zu erscheinen. Das erklärt Vieles, denn es ist ja so, dass Schlipse inzwischen keine vernünftige Funktion mehr haben. Und das ist genau ihre Funktion! Wer Schlips trägt, signalisiert, dass er auch bereit ist, auf Vernunft zu verzichten. Das nimmt den Gesprächstpartnern von Schlipsträgern die Angst, für Unvernunft kritisiert zu werden. Dass dieses Spiel tatsächlich so funktioniert, haben wir ja nun wieder einmal gesehen. Vor aller Augen wurden Werte vernichtet, aber Keiner wagte, die offensichtliche Geldverschwendung anzusprechen.
Nun könnte man annehmen, dass der Verzicht auf Schlipse wieder zu mehr Vernunft führe. Der Aufsichtrat wehrt sich allerdings zur Zeit noch gegen Forderungen des Betriebsrates, dass das Tragen von Schlipsen in Aufsichtsratssitzungen verboten werden solle. Hierbei beruft sich die große Mehrheit der Aufsichtsratsmitglieder auf wissenschaftliche Experimente (siehe Bild), die bedauerlicherweise die Hoffnung auf eine vernunftsteigernde Wirkung von Schlipslosigkeit nicht bestätigen konnten.
NLP
Juli 6, 2006
Wenn Führungskräfte auf Mitarbeiter und ihre Gesprächspartner der Betriebsleitung auf Betriebsräte NLP anwenden, sollten Sie verstehen, was das bedeutet. Achten Sie also auf die Trainer, die Ihre Firma bevorzugt. Links zu NLP:
Links
Juni 23, 2006
- Fads:
- Asia:
- Europe:
Klaffende Widersprüche
Juni 18, 2006
TNS-Infratest meint, dass der Einfluss von Führungskräften überbewertet werde. Geschäftsführer Gerhard Lux: "Eigentlich müssten die Gehälter der Chefs nach unten korrigiert werden".
Die SZ (2006-06-17, S.V2/13) berichtete das unter der Schlagzeile "Stochern im Nebel". Vorgestellt wurde eine repräsentative Studie "Strategisches Management". Eingeladen hatten die Management Akademie München und die Lux Kultur Agentur. "Vor allem hinsichtlich der internen Prozesse und Abläufe in den Unternehmen klaffen Widersprüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit". Das ist aber eine Überraschung!
Betriebsräte wissen das längst.
Vielleicht wird die Studie den heutigen Führungskräften aber nicht wirklich gerecht. Sie legt die falschen Maßstäbe an. Wirtschaft kann man nicht sich wirtschaftswissenschaftlich selbst erklären lassen, sondern dieses Glaubenssystem muß in der ihm angemessenen Weise von außen religionswissenschaftlich und sozialpsychologisch beobachtet werden. Das ist nötig, um sich von dem Auseinanderklaffen der vorgeblichen und der tatsächlichen Aufgaben von Führungskräften nicht überraschen zu lassen. Die Kluft ist nur eine Folge unseres Glaubens an die von uns selbst geschaffenen Management-Mythen. Dass die Moderne säkularisiert sei und es darin keine Priester und Hohepriester mehr gäbe, ist nämlich ein Irrtum.
Werkzeuge
Juni 10, 2006
- Linux Toolbox:
- Window Manager: ION3
- Backup: afio (s.a. Karsten Günther: Linux, 2006, ISBN 3826615131)
- Editors: Joe’s own editor | SciTe
- Pictureviewer: KuickShow (home)
- Planning: Imendio
- Compression: p7zip
- Home Banking: Mon€y-P€nny
- RT (Request Tracker): Homepage, Dokumentation, Kommentar und WebRT
- CJK: Smart Common Input Method | SCIM/SKIM under Debian at SLS | B2D
- root access: sudo | op
- rpms: livna repository
- Toolbox für ein anderes Betriebssystem (und z.T. auch Linux):
- Office Suites: OpenOffice | OO Language Packs
- LaTeX: PC WPs to LaTeX | Writer2LaTeX (for Java)
- browser & mail
- Graphics: GIMP | GTK
- Vector Graphics: Autotrace or Potrace | Pstoedit | Inkscape or Sodipodi
- file compression
- PDF creator
- ghostscript
- diagram drawing
- Planning: Python Module for Project Planning | Zettelkasten nach Niklas Luhmann | Links: Project Management | Wikipedia
- Viewers: PDF reader | Irfanview | ViewMate f. Gerber | Myriad f. Orcad
- Video Streaming: VideoLAN
- Sound: ogg
- Database: database and database browser
- Encryption (Verschlüsselung): GnuPG with iconv.dll under a Win GUI. Also: Explorer Extension for GnuPG
- Drive Encrytion: TrueCrypt
- Programming: Python | Tcl/Tk | Ruby | Lua | Io
- Editors: SciTE | Joe (install Cygwin with Joe) | gVim
- Version Management: Subversion | Bugzilla & Deskzilla | difference examiner
- Unix on Windows
- GCC for Windows
- filemanager
- ftp with ffftp or FileZilla
- SFTP/SCP: WinSCP
- PPP over Ethernet (e.g. for DSL)
- Wiki
- Java runtime environment (JRE)
- Library for Games (SDL)
- Free SW and Open Source SW: TheOpenCD | GNU tools | UNESCO Free Software Portal | GNUwin
Freier Wille
Juni 7, 2006
Verteidige meinen freien Willen nicht. Ich brauche ihn lieber für mich selbst:
"Die Daumenschraube eines jeden finden: Dies ist die Kunst, den Willen Anderer in Bewegung zu setzen. Es gehört mehr Geschick als Festigkeit dazu. Man muss wissen, wo einem Jeden beizukommen sei. Es gibt keinen Willen, der nicht einen eigentümlichen Hang hätte, welcher, nach der Mannigfaltigkeit des Geschmacks, verschieden ist. Alle sind Götzendiener, Einige der Ehre, Andere des Interesses, die meisten des Vergnügens. Der Kunstgriff besteht darin, dass man diesen Götzen eines Jeden kenne, um mittels desselben ihn zu bestimmen. Weiß man, welches für jeden der wirksame Anstoß sei, so ist es, als hätte man den Schlüssel zu seinem Willen. Man muß nun auf die allererste Springfeder oder das primum mobile in ihm zurückgehen, welches aber nicht etwa das Höchste seiner Natur, sondern meistens das Niedrigste ist: denn es gibt mehr schlecht- als wohlgeordnete Gemüter in dieser Welt. Jetzt muss man zuvörderst sein Gemüt bearbeiten, denn ihm durch ein Wort den Anstoß geben, endlich mit seiner Lieblingsneigung den Hauptangriff machen; so wird unfehlbar sein freier Wille schachmatt."
(Balthasar Grácian: Handorakel und Kunst der Weltklugheit, 1647, Übersetzung: Arthur Schopenhauer)
Verantwortung ohne Macht?
Juni 4, 2006
"xxx-Betriebsräte … übernehmen Verantwortung, wollen keine Macht, sondern sorgen für Gerechtigkeit und Harmonie im Betrieb… Herz ist Trumpf bei den Betriebsräten der xxx."
Aus Werbematerial der xxx zu einer BR-Wahl, 2006/05
Belastungssituation von IT-Beschäftigten
Juni 4, 2006
Erich Latniak / Anja Gerlmaier: Zwischen Innovation und täglichem Kleinkrieg (Belastungssituation von IT-Beschäftigten), IAT-Report 2006-04, ISSN 1619-1943