Klaffende Widersprüche
Juni 18, 2006
TNS-Infratest meint, dass der Einfluss von Führungskräften überbewertet werde. Geschäftsführer Gerhard Lux: "Eigentlich müssten die Gehälter der Chefs nach unten korrigiert werden".
Die SZ (2006-06-17, S.V2/13) berichtete das unter der Schlagzeile "Stochern im Nebel". Vorgestellt wurde eine repräsentative Studie "Strategisches Management". Eingeladen hatten die Management Akademie München und die Lux Kultur Agentur. "Vor allem hinsichtlich der internen Prozesse und Abläufe in den Unternehmen klaffen Widersprüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit". Das ist aber eine Überraschung!
Betriebsräte wissen das längst.
Vielleicht wird die Studie den heutigen Führungskräften aber nicht wirklich gerecht. Sie legt die falschen Maßstäbe an. Wirtschaft kann man nicht sich wirtschaftswissenschaftlich selbst erklären lassen, sondern dieses Glaubenssystem muß in der ihm angemessenen Weise von außen religionswissenschaftlich und sozialpsychologisch beobachtet werden. Das ist nötig, um sich von dem Auseinanderklaffen der vorgeblichen und der tatsächlichen Aufgaben von Führungskräften nicht überraschen zu lassen. Die Kluft ist nur eine Folge unseres Glaubens an die von uns selbst geschaffenen Management-Mythen. Dass die Moderne säkularisiert sei und es darin keine Priester und Hohepriester mehr gäbe, ist nämlich ein Irrtum.